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About Block II

Ein Moment in meinem Leben als Teenager:

Es war ein sonniger Morgen im Frühsommer und das Thermometer zeigte 21 Grad. Ich ging aus dem Haus und am Weg zur Straßenbahn dachte ich: „Wie weit werde ich es diesmal schaffen, bis es wieder zu rinnen beginnt?“ Bei der Haltestelle gab es keinen Schatten und so stand ich in der Morgensonne. Alle um mich schienen das zu genießen. Nach dem Einstieg wählte ich die Stelle in der Mitte des Waggons, gleich neben dem Fahrschein-Automaten. Meine linke Hand berührte den Griff an der Wand und ab jetzt war es immer nur eine Frage der Zeit; besonders im Sommer! Ich spürte das Kribbeln, bevor meine Hände nass wurden – immer synchron – und binnen Sekunden schoss das Wasser aus allen Poren der Innenhand, später auch an den seitlichen Linien meiner Finger. Ich wechselte die Hand, damit ich die linke an meinem Kleidungsstück abwischen konnte. Bei der Schule angekommen, waren Hände, Füße und meine Achseln patschnass. So begann fast jeder Tag.

Anzeichen und Auswirkungen:

Erste Anzeichen mit leicht feucht werdenden Händen gab es bei mir  bereits im Volksschulalter. Mit Eintritt in die Pubertät wurde jeder Tag meines Lebens zu einem Alptraum. Ich beobachtete, ob die Menschen rund um mich oder jene, die mir begegneten, jemals irgendwelche Anzeichen einer derartigen Abnormität aufwiesen und da das nicht der Fall war, beschloss ich, dass das nie, nie, wirklich niemals jemand sehen darf! Ich war der festen Überzeugung, dass ich der einzige Mensch auf diesem Planeten bin, dessen Körper etwas macht, das die Menschheit noch nie gesehen hat. Dadurch und durch ein familiäres Umfeld, in dem ich keine Unterstützung fand, entstanden so negative Gefühle wie Angst, Scham, Traurigkeit, ein Gefühl von Minderwertigkeit und manchmal grenzenlose Verzweiflung. Das Schlimmste war: „Ich konnte selbst nichts dagegen tun und fühlte mich meinem Körper ausgeliefert!“, obwohl ich als Erwachsene in allen anderen Belangen ein selbst bestimmtes Leben führte. Und, es führte dazu, dass ich unter einer permanenten inneren Anspannung stand, ganz besonders im Berufsleben.

Nach 17 Jahren des extremen Leidens:

Im Alter von 30 Jahren unterzog ich mich der ETS (Durchtrennung der Ganglien im sympathischen Nervenstrang) und lebe heute mit den Spätfolgen des Eingriffs, dem so genannten „kompensatorischen Schwitzen“.

Wie wird abnormes Schwitzen normalerweise von der Gesellschaft gesehen?

 

Mit zwei Beispielen möchte ich anregen, sich das vorzustellen:

Eine Kundenberaterin im Sommerkleid mit Schweißrändern bis zur Taille, geschlossenen Schuhen und triefend nassen Händen?

Ein technischer Außendienst-Mitarbeiter, fachlich kompetent, aber während der Beratung ein durchgeschwitztes Hemd und bei der Verabschiedung eine patschnasse Hand (auch die überreichten Unterlagen sind angefeuchtet …..)

 

 

Vorstellbar, abstoßend, irritierend?

Schwitzen ist ein gesellschaftliches Tabu!! Menschen, die schwitzen sind Arbeiter mit schwerer körperlichen Tätigkeit oder Sportler bei heißen Außentemperaturen. Menschen, die schwitzen, sind unsicher und unterlegen…….. oder?

 

 

Öffentlichkeitsarbeit

Jeden Sommer, passend zur Jahreszeit,  gibt es kurze Artikel im Gesundheitsteil von Tageszeitungen, in einschlägigen Gesundheitszeitungen, ganz besonders seit es Botox gibt, wird für das stärkere Schwitzen auch der medizinische Fachbegriff „Hyperhidrose“  verwendet und manchmal steht sogar dabei, dass exzessives Schwitzen auch krankhaft sein „kann“ (!)

Vielfach findet sich unter den Kurz-Artikeln auch der Name eines medizinischen Experten, der schnell und ohne Nebenwirkungen von diesem höchst unästhetischen Problem des Schwitzens befreien kann. Artikel, die gut aufklären und mehr Hintergrundinformationen zu dieser Erkrankung liefern, gibt es kaum.

Diese Form der Berichterstattung wäre jedoch ungemein wichtig, damit Menschen, die von der schweren Form  (Schweregrad 3)betroffen sind, mehr Verständnis finden und es ihnen leichter gemacht wird – vielleicht einmal sagen zu dürfen „Sorry, ich bin Hyperhidrotiker/In , ich würde mich gerne nur so verabschieden!“

Nahezu jede Woche erscheinen wirklich gut recherchierte Artikel von Journalisten, die ihre Aufgabe darin sehen, nach dem letzten Stand der Wissenschaft aufzuklären und die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund zu stellen – eben auch zu seltenen oder größtenteils noch unbekannten Erkrankungen.

Das würde ich mir auch für Hyperhidrose noch wünschen.

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